
Kläranlagen-Sanierung: Stadtrat stimmt der Vorplanung zu
Jetzt liegen die geschätzten Kosten für die Ertüchtigung und Erweiterung der Kläranlage auf dem Tisch: Sie belaufen sich auf rund 19,18 Millionen Euro. Diese Summe wurde bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates bekannt gegeben, bei der die Räte der Vorplanung zustimmten. Über die Finanzierung des Großprojekts, die die Bürger schultern müssen, wird der Stadtrat gesondert beraten.
Es ist ein sehr komplexes Bauprojekt, das mit der Sanierung und Erweiterung der Kläranlage auf Geiselhöring zukommt. Noch dazu, weil die Bauarbeiten im laufenden Betrieb über die Bühne gehen müssen. Die Krux ist, dass gut 40 Jahre nach der Fertigstellung wesentliche Anlagenteile nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und Handlungsbedarf aufgrund der wasserrechtlichen Erlaubnis durch das Landratsamt besteht. Diese ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Stadt die Kläranlage überhaut betreiben und das geklärte Wassers in den Eiglfurter Bach einleiten darf. Der größte Schwachpunkt der Anlage ist die aktuelle biologische Klärung des Abwassers mittels Tropfkörper und Nachklärbecken: Sie kann künftig die verschärften Nährstoff-Grenzwerte im geklärten Wasser nicht mehr gewährleisten, etwa hinsichtlich des Phosphor- und Stickstoffgehalts.
Anlage zeitweise an Kapazitätsgrenze
Außerdem wird die jetzige Kläranlage schlichtweg zu klein: Schon jetzt kommt sie mit der Menge an zugeleitetem Abwasser zeitweise an ihre Kapazitätsgrenze. Eine Neuberechnung des Abwasseraufkommens hat ergeben, dass die Anlage für 15.000 Einwohnergleichwerte statt wie bisher 12.000 Einwohnergleichwerte ausgebaut werden muss. Zwar leben in der Stadt Geiselhöring und den angeschlossenen Ortsteilen nur rund 6.700 Einwohner. Doch in die Kalkulation fließt die Belastung durch Abwasserverschmutzung von Gewerbebetrieben wie Metzgereien, Bäckereien oder Brauereien in Form der sogenannten „Einwohnergleichwerte“ ein.
Herzstück des Großprojekts wird die komplette Erneuerung der biologischen Reinigungsstufe in Form von zwei Kombi-Becken mit je 26 Meter Durchmesser und 2.300 Kubikmeter Volumen. Die Kombi-Becken bestehen aus einem kreisförmigen Außenbecken, dem Belebungsbecken, und einem kreisförmigen Innenbecken, wo die Nachklärung geschieht. Die beiden großen Bottiche samt Technikgebäude finden auf der Wiese links der Einfahrt in die Kläranlage Platz. Neu errichtet wird auch eine Anlage zur Entwässerung und zum Pressen des übrigbleibenden Klärschlamms, weil er in Zukunft zur Verbrennung in externe Verbrennungsanlagen transportiert wird. Das jetzige Rechengebäude wird saniert und um eine zusätzliche Rechenhalle mit Rechen sowie Sand- und Fettfang in einer Kompaktanlage erweitert. Ebenso wird das jetzige Betriebsgebäude um einen Sozialtrakt, einen Schmutz-Sauber-Bereich sowie Toiletten vergrößert. An Bestandsgebäuden bleiben das Schneckenhebewerk, das Vorklärbecken und der Faulbehälter erhalten und werden modernisiert.
Zwei Millionen Euro Fördergelder in Aussicht
Detaillierte Informationen zu all den geplanten Maßnahmen gaben den Stadträten bei der jetzigen Sitzung zwei Vertreter der mit der Planung beauftragten Ingenieurbüros KEB und Mayr Ingenieure, KEB-Geschäftsführer Roland Schneider sowie Ingenieur Lukas Troiber. Sie stellten sich auch den Fragen der Räte. Dem Gremium der vorherigen Wahlperiode war die Vorplanung bereits in der Dezember-Sitzung vorgestellt worden; aufgrund des damals präsentierten Kostenvolumens beschlossen die Räte jedoch, einen externen Sachverständigen zu beauftragen, weitere Einsparpotentiale zu finden. Damit wurde das „gemeinsame Kommunal-Unternehmen (gKU) Abwasserdienstleitung Donau-Wald“ betraut. Deren Experten befürworteten das Planungskonzept zwischenzeitlich und mit ihrer Hilfe konnte die Kostenschätzung auf 19,18 Millionen Euro reduziert werden. Zudem empfahl der Sachverständige Johann Buchmeier, die Maßnahme in zwei Bauabschnitte zu teilen, um mit dem zweiten Bauabschnitt Fördergelder des Freistaats entsprechend der „Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben“ abgreifen zu können. Der Experte stellte der Stadt eine mögliche Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro in Aussicht.
Die Stadträte befürworteten die Vorplanung schließlich einstimmig und beauftragten die jeweiligen Ingenieurbüros mit der Erarbeitung der Entwurfs- und der Genehmigungsplanung. Der Projektplan sieht vor, dass im März 2027 alle Unterlagen für den Bauantrag und den neuen Wasserrechtsantrag eingereicht werden. Vorbehaltlich eines reibungslosen Genehmigungsprozesses soll dann 2028 mit der Großbaumaßnahme begonnen werden, 2032 soll sie abgeschlossen sein.
Kosten müssen die Bürger tragen
Die Finanzierung des Großprojekts wird den Stadtrat separat beschäftigen. Die Kosten müssen die Bürger tragen, denn die Kläranlage ist eine sogenannte kostenrechnende öffentliche Einrichtung, die kostendeckend arbeiten muss. Deshalb müssen laut dem Kommunalrecht sämtliche Kosten, die im Zusammenhang mit der Ertüchtigung und Erweiterung der Anlage anfallen, auf die Eigentümer der angeschlossenen Grundstücke sowie deren Nutzer umgelegt werden. Das kann etwa durch höhere Abwassergebühren oder aber über Verbesserungsbeiträge geschehen. Nach der entsprechenden Stadtratsentscheidung sollen die Bürger zeitnah bei einer Bürgerversammlung informiert werden, mit welcher finanzieller Belastung sie zu rechnen haben, betonte Bürgermeister Herbert Lichtinger bei der Stadtratssitzung. Die Stadt habe bereits 1,4 Millionen Euro an Rücklagen für das Großprojekt gebildet.
Flurname „Aufeld“ wird Straßenname
Neben der Kläranlage standen noch einige weitere Themen auf der Tagesordnung der Sitzung. Zunächst wurde Johannes Bayer als neuer Ortssprecher von Oberharthausen vereidigt. Er war dazu am Tag vor der Sitzung von den Dorfbewohnern einstimmig gewählt worden. Hinsichtlich der Wasserversorgung gehören Oberharthausen und Pönning zum Gebiet des Wasserzweckverbands Straubing-Land und nicht zum Wasserzweckverband Mallersdorf. Deshalb wurde Johannes Bayer auch als Vertreter von Bürgermeister Herbert Lichtinger als Verbandsrat im Wasserzweckverband Straubing-Land bestellt. Zum Bürgermeister-Vertreter in der Verbandsversammlung des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz wurde Simon Eisenhut, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, bestimmt. Seinem Fachbereich ist das Thema in der Stadtverwaltung zugeordnet.
In der März-Sitzung hat der Stadtrat für die Aufstellung einer Außenbereichssatzung für den Bereich der Hausnummern 37, 37a, 37b und 39 des Ortsteils Greißing gestimmt, um auf dem Flurstück 2704 am Labertal-Radweg den Neubau einer Gaststätte mit fünf Beherbergungsräumen zu ermöglichen. In der jetzigen Sitzung genehmigten die Räte den mittlerweile vorliegenden Entwurf zur Aufstellung der Satzung; es folgt die Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden.
Fast 200.000 Euro gespart
Für die Freibad-Sanierung laufen die Ausschreibungen und Vergaben der einzelnen Gewerke. In der Sitzung beauftragte der Stadtrat nun die Krautloher Architekten GmbH aus Vilshofen (zuständig für die Gewerke Freianlagen, Gebäude und Innenräume) und die Ingenieurbüro Kerling GmbH aus Altenkunstadt (zuständig für das Gewerk Technische Ausrüstung) mit der letzten Planungsstufe, nämlich der Bauüberwachung und Dokumentation sowie der Objektbetreuung.
Zum durchgeführten Rathaus-Umbau samt Aufzug-Anbau informierte Bürgermeister Herbert Lichtinger, dass gegenüber der Kostenschätzung von 741.423 Euro brutto mit tatsächlichen Kosten von 548.446 Euro eine Ersparnis von 192.977 Euro (ohne Planungskosten) erzielt werden konnte. Gründe dafür seien zum einen die Ergebnisse der Ausschreibungen durch das Einholen mehrerer Angebote. „Außerdem wurde der Aufzug enorm günstiger, die Glaswand im Treppenhaus konnte deutlich günstiger erstellt werden und auch die Zimmererarbeiten waren durch eine geänderte Ausführung günstiger möglich.“
Stadträte hatten verschiedene Anliegen
In Hirschling wird derzeit das neue Baugebiet „Aufeld“ erschlossen. Die Stadträte hatten die Aufgabe, den Namen für die neue Straße festzulegen. Sie entschieden sich dafür, die Flurbezeichnung „Aufeld“ als Straßenname zu übernehmen. Wie Ortssprecher Michael Vilsmeier bestätigte, sind auch die ersten Bauherren, die auf einer der Parzellen ein Eigenheim errichten wollen, mit dieser Bezeichnung zufrieden.
Unter dem Punkt „Mitteilungen und Anträge“ erhielt Vilsmeier außerdem auf seine Nachfrage hin von Simon Eisenhut die Auskunft, dass für die Bauparzellen im „Aufeld“ wohl in der Juli-Stadtratssitzung die Verkaufspreise festgelegt würden und dann voraussichtlich im August das Vergabeverfahren starten könne. Pönnings Ortssprecher Franz Kollmeier bat darum, dass der neue Spielplatz im Ort in den Mäh-Plan der Stadt aufgenommen und dass das Gras am Giglberg zur Fahnenweihe der KLJB Anfang Juli nochmal gestutzt wird. Für das alte Schulhaus, das gerade außen renoviert wird, regte er an, auch eine potentielle Innenrenovierung zu prüfen, ebenso wie den möglichen Einbau eines Treppenlifts für ältere Leute, um bei Veranstaltungen in den 1. Stock zu gelangen.
Kulturkonzept soll kommen
Hermann Wocheslander kündigte als neuer Kulturreferent den Antrag an, ein Kulturkonzept zu erstellen, um die Aktivitäten der Kulturschaffenden vor Ort zu bündeln und den Geiselhöringer Hof als Kulturort zu etablieren. Hier bat er um parteiübergreifende Zusammenarbeit. Robert Ammer ersuchte die Verwaltung, bei der nächsten Verkehrsschau prüfen zu lassen, ob in Dettenkofen wegen verschiedener Gefahrenbereiche eine Tempo-30-Zone errichtet werden könnte. Johannes Höring monierte, dass sich die Autofahrer überwiegend nicht an die die neue Tempo-30-Zone beim Kindergarten Am Lins halten würden . Außerdem regte er an, mögliche Fördertöpfe auszuloten, um die marode alte Schulturnhalle wieder so auf Vordermann zu bringen, dass sie für den Schulsportbetrieb genutzt werden kann.
Zuguterletzt kam es wie schon bei der letzten Stadtratssitzung wieder zu einem Disput zwischen Vertretern der CSU-Fraktion und AFD/FG-Stadtrat Manfred Fuß. Auslöser war erneut die Berichterstattung auf der Internetseite der neuen Fraktion über die letzte Sitzung, in der das Demokratieverständnis des Stadtrats infrage gestellt wurde. Hermann Wocheslander wehrte sich entschieden gegen die dort erhobenen Vorwürfe und Unterstellungen und kritisierte erneut die diffamierende Art und Weise, wie auf der Internetseite über andere Mandatsträger und politische Prozesse geschrieben wird. Daraufhin holte Manfred Fuß in scharfem Ton zu einem Rundumschlag aus, was er bei der bisherigen Stadtratsarbeit missbilligt. Weil er sich dabei teilweise nicht an die Rederegeln des Gremiums hielt, sah sich Lichtinger zwischendurch sogar gezwungen, ihn zu ermahnen, und konterte seinen verbalen Angriffen.
Bildinformation: Das große Gelände der Kläranlage zahlt sich jetzt aus: Auf der Wiese links der Einfahrt werden die beiden neuen Kombi-Becken mit jeweils 26 Meter Durchmesser Platz finden, die künftig die biologische Klärung des Abwassers übernehmen.
