
Männer-Quartett an der Stadtspitze
Wochenlang wurde in der Großgemeinde über die Besetzung der Bürgermeister-Stellvertreter-Posten spekuliert, mittlerweile stehen die Namen fest: Bei der konstituierenden Sitzung des Stadtrates im Saal des Bürgerhauses wurde der bisherige Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Stefan Singer, zum Zweiten Bürgermeister und der bisherige Fraktionsvorsitzende der CSU, Robert Ammer, zum Dritten Bürgermeister von Geiselhöring gewählt. Außerdem bestimmte das Gremium SPD-Stadtrat Ludwig Kerscher zum weiteren Stellvertreter. Zuvor hatte Erster Bürgermeister Herbert Lichtinger die neuen Stadträte und Ortssprecher vereidigt.
Der Sitzung vorangegangen war nach guter Tradition ein Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Peter, zelebriert von Pfarrer Georg Dunst und Pfarrer Ulrich Fritsch. Im Sitzungssaal des Bürgerhauses wurde es anschließend eng: Rund 40 Bürger waren gekommen, um die konstituierende Sitzung mitzuverfolgen. Sogar aus der kleinen Küche wurden Stühle herausgetragen, um allen Besuchern einen Sitzplatz bieten zu können. Am Plenumstisch selbst wiesen Namensschilder den wiedergewählten und den neu in das Gremium eingezogenen Stadträten hochoffiziell ihre Plätze zu. So sitzt zur rechten Seite von Bürgermeister Herbert Lichtinger die neunköpfige CSU-Fraktion mit Andreas Häring als Neuzugang, zu Lichtingers linken Seite nimmt die sechsköpfige Freie Wähler-Fraktion (FW) mit den neuen Gesichtern Karina Luginger und Bastian Hofmeister Platz sowie die zweiköpfige SPD-Fraktion mit Ludwig Kerscher und Neu-Stadtrat Martin Schmauser. Bleiben drei Sitze in dem 20-köpfigen Gremium übrig – und die besetzen nach dem Wählerwillen jetzt die drei Männer der neuen vierten Fraktion im Stadtrat: Norman Faßhauer, Manfred Fuß und Helmut Bauer vom Bündnis „Alternative für Deutschland/Friedliches Geiselhöring (AfD/FG)“. Sie sitzen als drittgrößte Fraktion künftig zwischen der Freien Wähler- und der SPD-Fraktion.
Die Vereidigung der genannten neuen Stadträte durch Bürgermeister Herbert Lichtinger war dann auch der erste Akt der Sitzung. Miteinander sprachen sie die Eidesformel: „Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern. Ich schwöre, den Gesetzen gehorsam zu sein und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen. Ich schwöre, die Rechte der Selbstverwaltung zu wahren und ihren Pflichten nachzukommen, so wahr mir Gott helfe.“
Drei Ortssprecher schon gewählt
In drei Ortsteilen, aus denen kein Bürger im Stadtrat vertreten ist, fanden in der vergangenen Woche die Wahlen der Ortssprecher statt. Sie vertreten die jeweiligen Ortsteil-Interessen im Stadtrat, haben aber kein Stimmrecht. In Haindling setzte sich Theresa Scherm (FW) mit 35 Stimmen gegen Walter Weber (4 Stimmen) und Josef Baumann (eine Stimme) durch. In Hirschling entfielen 24 von 27 Stimmen auf Michael Vilsmeier (CSU), 3 Stimmzettel waren ungültig. Und in Pönning war auf allen 54 Stimmzetteln der Name von Franz Kollmeier (CSU) angekreuzt. Die drei Ortssprecher sprachen bei der konstituierenden Sitzung dieselbe Eidesformel wie die neuen Stadträte. Die Wahl des Ortssprechers von Oberharthauses steht noch aus.
„Unsere Aufgabe ist es, das Leben in Geiselhöring jeden Tag ein Stück weiter besser, lebenswerter und zukunftsfähiger zu machen“, sprach Bürgermeister Herbert Lichtinger sodann in seiner kurzen Auftaktrede an alle Stadträte der Wahlperiode 2026 bis 2032. Dabei sei eines entscheidend: Zusammenarbeit. „Politik darf nie nur aus Einzelinteressen bestehen, sondern muss immer das Gemeinwohl im Blick haben. Wenn wir gemeinsam diskutieren, abwägen und Entscheidungen treffen, können wir gute Lösungen finden. Ich lade euch alle ein, diesen Weg mitzugestalten.“ Das bedinge aber auch, Entscheidungen, die im Gremium demokratisch getroffen worden sind oder werden, zu akzeptieren. „Dabei biete ich allen, die bereit sind, sich im demokratischen Prozess einzubringen, eine gute Zusammenarbeit an. Wollen wir respektvoll und konstruktiv zum Wohle der Menschen in unserer Stadt arbeiten.“ Der Wahlkampf sei vorbei; jetzt gelte es nicht, Gräben zu vertiefen, sondern Brücken zu bauen – „und dies möchte ich auch ausdrücklich anbieten“. Die anstehenden Herausforderungen und Aufgaben könnten nur gemeistert werden, wenn der Stadtrat und die Verwaltung eng zusammenarbeiten und den Menschen in den Mittelpunkt stellen. „Und dafür wollen wir uns einsetzen, dass Geiselhöring eine Stadt bleibt, in der sich alle wohlfühlen. Lassen Sie uns diese Verantwortung gemeinsam tragen und mit Mut, Weitsicht und Engagement gestalten“, rief er die Stadträte auf.
Fraktionssprecher bestimmt
Im Anschluss benannten die Fraktionen ihre künftigen Fraktionssprecher. Diese Funktion übernimmt in den nächsten sechs Jahren bei der CSU Viktoria Schmalhofer (Stellvertreter: Stefan Lampert), bei den Freien Wählern Karina Luginger (Stellvertreter: Friedrich Frank), bei der AfD/FG Norman Faßhauer (Stellvertreter Manfred Fuß) und bei der SPD Ludwig Kerscher (Stellvertreter: Martin Schmauser). Alle Fraktionssprecher gaben kurze Erklärungen ab, in denen sie den Willen ihrer Fraktion zu einer guten Zusammenarbeit im Stadtrat betonten.
Und wer übernimmt in den nächsten sechs Jahren die Posten der Stellvertreter von Erstem Bürgermeister Herbert Lichtinger? Die Antworten lieferten zwei geheime schriftliche Wahlgänge. Zunächst sammelte Bürgermeister Herbert Lichtinger Vorschläge für die Wahl des Zweiten Bürgermeisters. Der bisherige Fraktionsvorsitzende der CSU, Robert Ammer, schlug für dieses Amt sogleich den bisherigen Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Stefan Singer, vor. Helmut Bauer (AfD/FG) nannte Norman Faßhauer (AfD/FG) als Kandidat und Manfred Fuß (AfD/FG) brachte Karina Luginger (FW) ins Spiel. Hauptamtsleiter Rainer Gebhard verteilte die Stimmzettel mit den Namen aller Stadträte, die ihren Favoriten reihum in einer aufgestellten Wahlkabine ankreuzten und den Zettel in die aufgestellte Urne warfen. Die Auszählung brachte folgendes Ergebnis: 16 Stimmen für Stefan Singer, drei Stimmen für Norman Faßhauer, eine Stimme für Karina Luginger. Stefan Singer nahm die eindeutige Wahl zum Zweiten Bürgermeister strahlend an, bedankte sich für das Vertrauen und wurde sogleich von Herbert Lichtinger vereidigt.
Ludwig Kerscher ist weiterer Stellvertreter
Ebenso eindeutig fiel die Wahl des Dritten Bürgermeisters aus. Bastian Hofmeister (FW) empfahl für dieses Amt Robert Ammer (CSU) vor, Norman Faßhauer (AfD/FG) regte Manfred Fuß (AfD/FG) an und Martin Schmauser (SPD) nannte den Namen seinen Fraktionskollegen Ludwig Kerscher. Wieder wurde die Wahlkabine aufgestellt, wieder reihum angekreuzt, wieder ausgezählt und wieder gab es ein klares Ergebnis: Robert Ammer vereinte 15 Stimmen auf sich, drei Stimmen entfielen auf Manfred Fuß, zwei Stimmen auf Ludwig Kerscher. Auch Robert Ammer nahm die Wahl zum Dritten Bürgermeister gerne an und es folgte die Vereidigung.
Damit war die Stellvertreter-Wahl aber noch nicht beendet: Der Stadtrat beschloss, für den Fall der gleichzeitigen Verhinderung des Bürgermeisters und seiner beiden Stellvertreter einen weiteren Stellvertreter zu bestellen. Der neue Dritte Bürgermeister Robert Ammer schlug für den Posten Ludwig Kerscher (SPD) vor. Norman Faßhauer (AfD/FG) plädiert hingegen dafür, das Stadtratsmitglied mit dem höchsten Lebensalter – das wäre Maria Vilsmeier (CSU, gefolgt von Alois Giglberger (FW) und Martin Schmauser (SPD) – solle im Fall des Falles die weitere Stellvertretung übernehmen. 15 von 20 Handzeichen galten jedoch Ludwig Kerscher, der sich sehr über die Auszeichnung freute, als jüngster Stadtrat „ganz vorne dabei mitschnuppern zu dürfen“.
Neue Geschäftsordnung erlassen
In den weiteren Tagesordnungspunkten erließ der Stadtrat mehrheitlich eine neue Geschäftsordnung, deren Entwurf in den vergangenen Wochen von der Verwaltung ausgearbeitet wurde und in den Vorschläge der Fraktionen aufgenommen wurden. Nur die drei AfD/FG-Stadträte stimmten dem Beschluss über die Geschäftsordnung nicht zu; sie hatte beantragt, vorerst weiterhin die alte Geschäftsordnung gelten zu lassen, um mehr Zeit zu haben, den neuen Entwurf zu prüfen. Der Antrag wurde aber mit den 17 Gegenstimmen des restlichen Gremiums abgelehnt.
Im Anschluss wurden noch weitere Anträge der Fraktion AfD/FG zur Geschäftsordnung besprochen. Sie forderte etwa, künftig bei Entscheidungen im Stadtrat namentlich abzustimmen, zu Beginn jeder Stadtratssitzung eine Bürgerfragestunde von 30 Minuten abzuhalten oder den Ersten Bürgermeister zu verpflichten, in jeder öffentlichen Sitzung über wichtige Angelegenheiten der laufenden Verwaltung zu berichten. Die Vorschläge wurden aus Sicht der Verwaltung zum Großteil als nicht erforderlich oder auch nicht praktikabel eingestuft und dann auch allesamt meist mit 17:3 Stimmen abgelehnt. Ein paar Anträge zog die Fraktion selbst zurück.
Einziger Tagesordnungspunkt, der nichts mit der konstituierenden Sitzung zu tun hatte, war der Antrag der Altenwohn- und Pflegeheim Geiselhöring GmbH auf einen Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro für den ehrenamtlichen Dienst „in domo - Betreutes Wohnen zuhause“. Dieser Zuschuss wurde auch in den Jahren 2018 bis 2025 gewährt. Dem Antrag wurde einstimmig stattgegeben mit der Prämisse, dass der Zuschussempfänger die Verwendung der Mittel nach Ablauf des Kalenderjahres 2026 nachweisen muss.
Die Besetzung der Ausschüsse
In der konstituierenden Sitzung wurden auch die Mitglieder der sechs Stadtratsausschüsse bestellt. Auf die CSU entfallen jeweils drei Sitze, auf die Freien Wähler zwei Sitze und auf die Fraktionen AfD/FG und SPD jeweils ein Sitz.
Bau- und Umweltausschuss: Franz Stierstofer, Tobias Paßreiter und Andreas Häring (CSU), Friedrich Frank und Stefan Singer (FW), Helmut Bauer (AfD/FG), Ludwig Kerscher (SPD)
Finanzausschuss: Viktoria Schmalhofer, Robert Ammer und Hermann Wocheslander (CSU), Karina Luginger und Bastian Hofmeister (FW), Manfred Fuß (AfD/FG), Martin Schmauser (SPD)
Rechnungsprüfungsausschuss: Hermann Wocheslander (Vorsitzender), Maria Vilsmeier und Robert Ammer (CSU), Angela Ramsauer Friedrich Frank (FW), Manfred Fuß (AfD/FG), Ludwig Kerscher (SPD)
Personalausschuss: Tobias Paßreiter, Johannes Höring und Viktoria Schmalhofer (CSU), Karina Luginger und Stefan Singer (FW), Norman Faßhauer (Afd/FG), Martin Schmauser (SPD)
Kultur-, Sport-, Gesundheits- und Sozialausschuss: Hermann Wocheslander, Johannes Höring und Franz Stierstorfer (CSU), Bastian Hofmeister und Alois Giglberger (FW), Helmut Bauer (AfD/FG), Martin Schmauser (SPD)
Wirtschaftsausschuss: Maria Vilsmeier , Andreas Häring und Stefan Lampert (CSU), Angela Ramsauer und Alois Giglberger (FW), Norman Faßhauer (Afd/FG), Ludwig Kerscher (SPD)
Zu den Referenten wurden folgende Stadträte gewählt:
Wirtschaftsreferent Andreas Häring, Finanzreferent Karina Luginger, Kulturreferent Hermann Wocheslander, Sportreferent Johannes Höring, Bau- und Umweltreferent Friedrich Frank, Jugend-/Integrationsreferent Ludwig Kerscher, Seniorenreferentin Maria Vilsmeier
Weitere besetzte Posten:
Verbandsräte Wasserzweckverband Mallersdorf: Bürgermeister Herbert Lichtinger, Robert Ammer und Franz Stierstorfer (CSU), Karina Luginger (FW) und Ludwig Kerscher (SPD)
Mitglied im Werkausschuss des Wasserzweckverbands Mallersdorf: Bürgermeister Herbert Lichtinger
Verbandsrat für den Wasserzweckverband Straubing-Land: Bürgermeister Herbert Lichtinger
Mitglieder für das Kuratorium der Stadt- und Pfarrbücherei Geiselhöring: Bürgermeister Herbert Lichtinger, Viktoria Schmalhofer (CSU), Angela Ramsauser (FW), Martin Schmauser (SPD)
Mitglieder des Aufsichtsrats der Altenwohn- und Pflegeheim Geiselhöring GmbH: Robert Ammer (CSU), Karina Luginger (FW), Martin Schmauser (SPD)
Eheschließungsstandesbeamter für den Standesamtsbezirk Geiselhöring: Bürgermeister Herbert Lichtinger
Bildinfo: Die Mitglieder des Stadtrats von Geiselhöring in der Legislaturperiode 2026 bis 2032 mit den bereits gewählten Ortssprechern. Es fehlt Stadträtin Angela Ramsauer (Freie Wähler), die für die konstituierende Sitzung entschuldigt war. Bürgermeister Herbert Lichtinger (vorne Mitte) stehen Stefan Singer (vorne, 3.v.r.) als Zweiter Bürgermeister, Robert Ammer (vorne, 3.v.l.) als Dritter Bürgermeister sowie Ludwig Kerscher (vorne, 2.v.l.) als weiterer Stellvertreter zur Seite.
