
Ganztagsbetreuung großes Thema an Grundschule
Für die ABC-Schützen des kommenden Schuljahres gilt eine Neuerung: Sie haben einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an ihrer Grundschule. 50 Plätze hierfür können an der Geiselhöringer Grundschule im Hort unter der Trägerschaft der AWO Straubing belegt werden. Deren Geschäftsführer Klaus Hoffmann und Bettina Willamowski, neue Leiterin der Abteilung Schulkinderbetreuung, waren jetzt an der Grundschule zu Gast, um sich mit Rektor Richard Binni, Bürgermeister Herbert Lichtinger und Kämmerin Katharina Bauer über die Folgen des Rechtanspruches auszutauschen. Damit einher geht die Notwendigkeit für weitere Räumlichkeiten an der Grund- und Mittelschule.
Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter gilt in ganz Deutschland ab dem Schuljahr 2026/2027 zunächst für alle Erstklässler und wird dann bis zum Schuljahr 2029/30 auf alle Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 4 ausgeweitet. Dieser Rechtsanspruch soll eine Betreuungslücke schließen, die nach der Kita-Zeit für viele Familien entsteht, sobald die Kinder eingeschult werden. Eine Neuerung, deren Umsetzung an der Grundschule Geiselhöring in den Zuständigkeitsbereich von Bettina Willamowski fällt. Sie leitet seit Januar die Abteilung „Schulkinder-Betreuung“ bei der AWO Straubing, zu der insgesamt fünf Horte und drei Offenen Ganztagsschulen der AWO im Landkreis Straubing-Bogen und der Stadt Straubing gehören.
Aktuell 50 Betreuungsplätze im Hort
Der Geiselhöringer AWO-Hort im Untergeschoss der Schule, geführt von Barbara Beck, bietet 50 Betreuungsplätze für Grundschulkinder, erklärte Bettina Willamwoski Kämmerin Katharina Bauer und Bürgermeister Herbert Lichtinger. „Diese Plätze sind immer gut belegt.“ Jede Überbelegung müsse vom Landratsamt als Fachaufsicht genehmigt werden. „Das ist zuletzt bei einem Kind im Januar der Fall gewesen. Maximal werden uns fünf zusätzliche Kinder bewilligt“, informierte sie. Betreut würden die Kinder nach Schulschluss bis maximal 17.30 Uhr, Mittagessen inklusive. „Die meisten Kinder sind bis 16 oder 16.30 Uhr im Hort.“ Das Pendant zum Grundschul-Hort ist an der Mittelschule die Offene Ganztagsschule, die in Geiselhöring von der Caritas als Träger angeboten wird.
Wie viele der kommenden Erstklässler ihr Recht auf Ganztagsbetreuung tatsächlich in Anspruch nehmen werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Insgesamt seien 93 schulpflichtige Kinder gemeldet, sagte Rektor Richard Binni bei dem Info-Gespräch. Tatsächlich eingeschult werden der Erfahrung nach 60 bis 75 Kinder, schätzte der Schulleiter. „Die tatsächliche Zahl wissen wir erst nach der Schuleinschreibung am 11. März.“ Bei einer ersten Informationsveranstaltung zum Schuleintritt waren die Eltern von 38 ABC-Schützen anwesend; für zehn von ihnen sei der Bedarf an Ganztagsbetreuung gemeldet worden. Weil doppelt so viele Kinder eingeschult werden, sei davon auszugehen, dass für rund 20 Kinder Anspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz erhoben wird.
Anfragen aus Nachbargemeinde
Da zugleich die jetzigen Viertklässler den Hort verlassen und das Landratsamt eine Überbelegung mit fünf Kindern akzeptiert, lasse sich der Rechtsanspruch im neuen Schuljahr vorerst noch ohne größere Probleme umsetzen, informierte Binni. Jedoch habe man von der Grundschule in Perkam ebenfalls schon Anfragen nach Betreuungsplätzen bekommen. Und es sei davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren immer mehr Ganztagsplätze beansprucht werden, weil eine ganz andere Generation von Kindern nachrücke, die eine Ganztagsbetreuung schon von Krippen-Zeiten an gewohnt sind – Kinder wie Eltern. Indes sind noch viele Fragen offen, etwa zur Aufnahme Hort-fremder Kinder in den Ferien, zur Finanzierung dieser Ferienbetreuung oder zur Akquise von zusätzlichem Personal für die Ferien.
Zum Glück erreichten die AWO aktuell wieder mehr Bewerbungen für den Betreuungsbereich, informierte Klaus Hoffmann: „Eine weitere Gruppe mit 25 Plätzen für den regulären Hort-Betrieb in Geiselhöring könnten wir personaltechnisch deshalb durchaus stemmen“, meinte er mit Blick auf den absehbaren wachsenden Betreuungsbedarf. Daraus wird sich auch die Notwendigkeit von weiteren Räumlichkeiten ergeben.
Bürgermeister Herbert Lichtinger erklärte daraufhin den AWO-Vertretern das Ansinnen der Stadt, an der Schule das offene Unterrichtskonzept „Lernlandschaften“ anstelle des Frontalunterrichts umzusetzen. Dabei arbeiten die Schüler in optisch durch Raumteiler oder Pflanzen abgetrennten Bereichen oder auch auf den Gängen und in Nebenräumen allein oder in Gruppen an Aufgaben und eignen sich selbstständig Wissen an. Eine zentrale Plenumszone dient dem Austausch, wo Fragen gestellt werden können oder der Lehrer etwas erklärt. „Die Schüler werden zu Lernenden und die Lehrer zu Lehrberatern“, erklärte Rektor Binni dazu. Alle Schulen, die nach diesem Konzept arbeiten, meldeten enorme Erfolge.
Zusätzliche Räume sollen geschaffen werden
Für die Geiselhöringer Grundschule sei für dieses Konzept bereits ein pädagogisches Raumfunktionsbuch erarbeitet worden und aktuell sei eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, welche Maßnahmen realistisch umgesetzt werden können, schilderte Bürgermeister Herbert Lichtinger den Stand der Dinge. Die Machbarkeitsstudie soll im Frühsommer fertig werden. Baulich gebe es verschiedene Möglichkeiten, zusätzliche Räume zu schaffen. Einerseits sei ein Anbau möglich, andererseits könnte die Schule an bestimmten Stellen aufgestockt werden. Außerdem nannte er die Möglichkeit, die beiden großen Treppenhäuser der Schule aus dem Gebäude auszugliedern und außen anzubauen und die so gewonnene bisherige Flur-Fläche für das Konzept „Lernlandschaften“ zu nutzen.
Eine weitere Option hinsichtlich der Schulentwicklung sei, das Jugendtagungshaus zu übernehmen, sollte sich der Landkreis entscheiden, es nicht weiter als Jugendtagungshaus zu betreiben. Dorthin könne etwa der Hort ausgelagert werden, die Kreismusikschule könnte dort unterkommen, ein Jugendtreff könnte eingerichtet oder auch zusätzliche Kita-Räume könnten geschaffen werden. Ein zentrale Frage sei auch, wie sich die Mittelschule entwickelt, ob weiterhin der Mittelschulverbund mit Mallersdorf, Rain und Leiblfing aufrechterhalten wird oder ob womöglich Geiselhöring als zentraler Standort ausgebaut wird. „Hier sehnen wir uns nach einer Entscheidung des Schulamtes beziehungsweise der Regierung von Niederbayern“, erklärte Lichtinger. Schließlich bräuchten alle beteiligten Kommunen Planungssicherheit. Es hänge also von vielen verschiedene Akteuren ab, wie sich die Grund- und Mittelschule weiterentwickeln kann, und das mache die aktuelle Situation nicht einfacher.
Herbert Lichtinger und Richard Binni brachten abschließend die Freude über die gute Zusammenarbeit mit der AWO hinsichtlich des Hortes an der Grundschule zum Ausdruck und Binni war voll des Lobes über das Personal vor Ort: „Hier wird oft mehr geleistet, als man erwarten kann.“
Bildinfo: Tauschten sich an der Grund- und Mittelschule über das Thema Ganztagsbetreuung aus (von links): Stadt-Kämmerin Katharina Bauer, Rektor Richard Binni, AWO-Geschäftsführer Klaus Hoffmann, Bettina Willamowski, Leiterin der Abteilung Schulkinderbetreuung bei der AWO, sowie Bürgermeister Herbert Lichtinger.
