Waldkindergärten 

 

Waldkindergärten sind in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt gerückt. Ein Grund dafür ist sicherlich darin zu sehen, dass es vielen Kindern heute nicht mehr so einfach möglich ist, ihre Freizeit in der Natur zu verbringen.

Es ist leider immer mehr festzustellen, dass der Lebensraum der Kinder zunehmend von Verinselung gekennzeichnet ist. Das Lebensumfeld und die Erfahrungswelt der Kinder ist oft gesteuert durch die Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinen, und / oder den Besuch in von Eltern ausgewählten Lerneinrichtungen, z.B. Musikschule, Englischunterricht und dergleichen.

Das Kind hat nur selten die Möglichkeit, selbst initiiert Freundschaften oder tiefere Beziehungen zu Kindern in der näheren Umgebung zu entwickeln. Die Technisierung und Motorisierung spielt in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle.

 

Gerade hier bietet der Waldkindergarten ungezählte Möglichkeiten diese teils auch „negativen" Erscheinungen in unserer Gesellschaft für die Kinder zu kompensieren.

Draußen in der freien, belebten und unbelebten Natur haben sie, in der Regel in einer konstanten Gruppe, die Gelegenheit, soziale Kontakte zu knüpfen und zu festigen und ihre sozialen, kognitiven und kreativen Fähigkeiten zu entfalten.

Ihr Umweltbewusstsein wird durch das alltäglich breit gefächerte Angebot und die vielschichtigen Erfahrungsmöglichkeiten in der freien Natur geweckt und gestärkt.

Selbsttätig lernen sie sich und ihren Körper einschätzen und können ihre Stärken und Fähigkeiten individuell nützen, beim Spiel in die Gruppe einbringen und so voneinander und miteinander lernen und sich weiterentwickeln.

Der Wald hat eine Fülle von Angeboten bereit, die die Neugier des Kindes wecken und es so altersgemäß anregen, Herausforderungen anzunehmen und tätig zu werden. Die Kinder werden vom Erziehungspersonal unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten angeleitet, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen und den Lebensraum Wald zu erkunden, zu erforschen, sich dort wohl und sicher zu fühlen, und so Schritt für Schritt ihren Erfahrungsschatz zu erweitern.

Der Wald bietet dem Kind Platz und Ruhe zum sich frei bewegen, zum Experimentieren, Forschen, ... einfach zum ganzheitlichen Lernen.

In der Stille wird die Konzentration durch die schier unbegrenzten Möglichkeiten und die unerschöpfliche Fülle von Anregungen des Waldes gefördert und die besten Voraussetzungen zur Weiterentwicklung der Phantasie und Kreativität des Kindes sind gegeben.

 

Der Wald regt die kindliche Neugier stetig und vielseitig an.

Es entwickelt sich der Wunsch des Kindes, aus den Möglichkeiten am Zielort etwas zu machen. Das Kind verlässt den reizüberfluteten Konsumalltag für einige Stunden und zeigt ohne vorgegebenes Spielmaterial Spaß und Freude am Spiel.

Es erlebt sich täglich in die Natur eingebunden. Das unmittelbare Erleben von Natur, Wetter und Jahreszeitenwechsel, eigenen Beobachtungen und Erfahrungen mit allen Sinnen geben dem Kind eine innere Sicherheit und Ausgeglichenheit. Das Kind beobachtet die Flora und Fauna des Waldes und erlebt die Tiere und Pflanzen. So gelangt es früh zu einem respektvollen und behutsamen Umgang mit Lebewesen und der Umwelt.

Die Kreativität des Kindes wird im Wald fortwährend stimuliert. Mit unterschiedlichsten Naturmaterialien wie Blätter, Zapfen, Stöcken, Moos und Steinen gestaltet und bastelt es.

Das Kind formt, malt, „arbeitet" mit Erde, Lehm, Holz, Gras, Samen, Baumfrüchten und vielen anderen Dingen, die der Wald anbietet. Die Phantasie des Kindes wird unaufhörlich angeregt und gemäß der Möglichkeiten die das Material bietet ausgelebt so weit wie geht.

Große und kleine Waldbewohner, werden entdeckt und aktiv beobachtet. Es lauscht den Vögeln, beobachtet die Ameisen, verfolgt Tierspuren, ... und es genießt die Stille und die Ruhe im Wald.

 

Das Kind kann konstruktiv und kreativ am Gruppengeschehen teilnehmen.

Durch die Gruppendynamik und das abwechslungsreiche Gelände erfährt das Kind seinen eigenen Körper. Es spürt und erlebt wozu es seine Fähigkeiten einsetzen kann und zeigt meist altersgemäße Geschicklichkeit in verschiedenen Bereichen.

 

Im Waldkindergarten hat das Kind das Recht, seine individuellen Potentiale zu verwirklichen und zu erweitern:

- soziale Kompetenzen erwerben  und anwenden,

- Lernbegierde befriedigen,

- Akzeptanz erfahren, so sein zu dürfen, wie es ist,

- eigene Identität ausbilden.

Das Kind erlebt Regeln und erfährt Grenzen die im sozialen Miteinander notwendig sind.

Das positive Bewältigen der verschiedenen Herausforderungen stärkt das Kind enorm. Im Wald, bei der Zielortwanderung, während des gesamten Tagesablaufes kann das Kind seine persönlichen Grenzen kennenlernen und seine Fähigkeiten verbessern.

Es werden alle Sinne gebraucht und eingesetzt, die die Entwicklung des abstrakten Denkens fördern und für ihren weiteren Lebensweg in Schule und der Erwachsenenwelt benötigt werden.

 

Das Kind wird durch zusätzliche Angebote, z.B. Sprachtraining im Stil des Würzburger Programms, verstärkt für Vorschüler auf die Schule vorbereitet.

 

Der Waldkindergarten richtet sich nach den Zielen des BEP ( Bayrischer Bildungs- und Erziehungsplan ).